Finger weg von unseren Häusern – R12 bleibt! | Kundgebung Mo. 17.3. 17 Uhr Robertstraße Köln-Kalk

Die Bewohner*innen der Robertstr. 12 (R12) haben in den letzten Jahren die Verwaltung ihres Hauses selbst in die Hand genommen, um es vor dem Verfall zu schützen. Nun ist ihre gewachsenen Hausgemeinschaft aufgrund einer (für den 26. März angesetzten) Zwangsversteigerung akut bedroht.

Für den kommenden Montag Abend haben sich verschiedene Investoren angekündigt, um das Haus zu besichtigen.

Mit unserer Kundgebung direkt vor dem Haus wollen wir die Investoren begrüssen und zeigen, dass sie in Kalk und auch sonst in Köln nicht willkommen sind – und dass die Robertstraße 12 – für alle außer den jetzigen Bewohner_innen – Risikokapital ist!

Die Bewohner_innen versuchen derzeit mit den jetzigen Eigentümer_innen zu verhandeln und das Haus über einen Verein selber zu kaufen – bzw. nötigenfalls zu ersteigern – und es so den Spekulationen auf dem kapitalistischen Wohnungsmarkt dauerhaft zu entziehen. Unterstützen wir sie dabei!

Kundgebung: Montag 17.3.2014 | 17 Uhr | Robertstr. 12 | Köln-Kalk | Haltestelle Kalk-Post / Trimbornstr.
Bringt Zeugs mit, dass Druck auf die Öhrchen macht!

Mehr Infos zur R12 und dem Kampf um das Haus findet ihr hier.

Solidarische Grüße aus dem Autonomen Zentrum Köln

 

 

 

 

 

 

Soli-Erklärung des ASTA der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

15.Juli.2013
Solierkärung AZ Köln: „Freiräume- In den Häusern, der Stadt und im Kopf“

Im April 2010 wurde in Köln die ehemalige und leerstehende Kantine des Klöckner-Humboldt-Deutz-Geländes besetzt. Aktivist*innen, politisch Engagierte, Künstler*innen und Kulturschaffende, Arbeitslose, Musiker*innen, Studierende, Menschen aus dem Stadtteil, Auszubildende, und viele mehr haben  dort einen „selbstverwalteten, unkommerziellen Raum für Politik, Kunst und Kultur“ geschaffen.

Das Gebäude und seine Höfe sind seitdem ein beliebter Ort für zahlreiche Menschen.  Kulturveranstaltungen wie Konzerte, Theater und Kinos finden hier ebenso Platz wie Workshops, Vorträge, die Fahrradwerkstatt, ein Umsonst-Laden und vieles mehr. Es ist ein Ort, den es in Städten und Dörfern zu selten gibt, der aber von der  Regierung der Stadt Köln bekämpft wird.

Am 30.Juni.2013 lief der Nutzungsvertrag für das Autonome Zentrum in Köln aus, welches nun geräumt werden soll. Anstatt Selbstverwaltung, Kunst und Kultur, soll dort jetzt ein Grünstreifen und Platz für eine Schulerweiterung angelegt werden. Die Aktivist*innen stellen aber fest, dass alle Vorhaben problemlos nebeneinander Platz hätten. Wir fragen uns also, warumdiese Diskussion?

Die Schließung des AZ ist einzuordnen in den Kurs der neoliberalen Stadtentwicklung in Köln: Steigende Mieten und Gentrifizierungs-Prozesse (Rheinauhafen…) sollen anstelle von Freiräumen, Kultur, Politik und Beteiligung realisiert werden.

Für Susana dos Santos Herrmann von der SPD in Köln steht fest: „Das AZ wird nicht in Kalk bleiben“. In der Kölner Presse wird eine Hetzjagd gegen das Autonome Zentrum  und ihren Aktivist*innen betrieben. Oberbürgermeister Roters spricht von „Angst um seine Kinder und Familie“. Es ist die alte Leier über böswillige Autonome und Linksradikale, die wir strikt ablehnen!

Madeleine Does (Referentin für Studentische Belange, AStA HAW Hamburg)   : „Köln hat anscheinend ein Problem mit Kultur. Die Kolp-Halle bekommt eine Räumung, das

Odonien sollte aufgrund von Sicherheitsmaßnahmen geschlossen werden, Jugendtreffs und offene Türen wurden von der SPD weg gekürzt. Das AZ ist gerade für Jugendliche ein Ort der Begegnung, des Lernens, der (kritischen!) Bildung, der Vernetzung. Schön, dass es diesen Ort gibt“

Das Autonome Zentrum ist ein Ort an dem „echte“ Demokratie, Partizipation und Teilhabe praktiziert werden kann und bietet somit eine Chance für eine Erweiterung der Handlungsfähigkeit  von Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Der Gipfel des Eisberges ist nun die Bekanntgabe, dass die rechtspopulistische Partei „pro Köln“ eine Kundgebung Ende Juli geplant hat unter dem Motto: “ Linksextremismus  bekämpfen- Autonomes Zentrum sofort räumen!“ Da fragen wir uns: Lieber Herr Roters, geht‘s noch?!

Ja, wir sind wütend über die Räumung des AZ, denn Orte, wie diese gibt es viel zu wenig!

 

Das  Thema „(fehlende) Freiräume“ ist dabei jedoch nicht nur in Köln, sondern auch hier in Hamburg relevant.  Hamburg, als eine der teuersten  und gleichzeitig auch reichsten Städte Deutschlands, bietet kaum Platz, um sich frei und kreativ zu  entfalten. Hinzu kommt, dass Orte, an denen  dies glücklicherweise noch  möglich ist, wie z. B. das Gängeviertel oder  die rote Flora ständig  damit rechnen müssen, dass die Verhandlungen mit den Behörden gegen die Interessen des jeweiligen  Projekts verlaufen oder die Kündigung im  Briefkasten steckt. Verschärft wird dies durch das kulturzerstörende Agieren unter dem Diktat der Schuldenbremse: Die öffentlichen Bereiche Soziales, Bildung, Kultur und Gesundheit werden bundesweit zusammen gekürzt. Wir  brauchen in unseren Städten  Möglichkeiten und Räume, um politisch, kreativ, und kritisch zu sein!

Andreas Jasiulek (Referent für Soziales& Soziale Bewegungen, AStA HAW Hamburg) dazu:

„Der Kampf um Freiräume ist ein wichtiger Bestandteil eines Kampfes für bedürfnisorientierte Gesellschaftsformen. Darum  ist es so wichtig, dass es autonome Räume, wie das AZ gibt.“

Deswegen zeigen wir uns solidarisch mit den Aktivist*innen in Köln und fordern  den Rat der Stadt Köln, vor allem Oberbürgermeister Herr Roters auf, die Räumung fallen zu lassen und gemeinsam mit allen Beteiligten in einen basisdemokratischen  Diskurs zu gehen.

Wir fordern die SPD auf, Stellung zu beziehen zu der Ankündigung von „pro Köln“ und ihr Versprechen vom Christopher Street Day  im Juli 2013 „100% gegen rechts“  einzuhalten und wünschen uns von allen Kölner*innen ein klares Statement am 27.Juli gegen die Faschist*innen und eine Solidarisierung mit den Aktivist*innen!

Wir verlangen von der Kölner SPD eine Beendigung der Kriminalisierung und Repressionsmaßnahmen gegenüber  der Aktivist*innen und fordern einen friedlichen, für alle Beteiligten zufriedenen stellenden Austausch.

Eine positive Entwicklung zu erstreiten, ist unser aller Angelegenheit.

Kein Tag ohne Autonomes Zentrum!

Referentin für Studentische Belange
www. asta.haw-hamburg.de/soziales

 

Offener Brief von Lehrenden und Studierenden der HfMT Köln an den OB und den Rat

„Kultur braucht Freiräume“

Lehrende und Studierende der Hochschule für Musik und Tanz Köln, 14. Juni 2013, an den Oberbürgermeister der Stadt Köln und die Mitglieder des Rats der Stadt Köln

Die ehemalige KHD-Kantine in der Wiersbergstr. 44 in Köln Kalk beheimatet seit über drei Jahren das Autonome Zentrum. Dieses Gebäude, das nunmehr der Stadt Köln gehört, ist aus unserer Sicht einer der kulturell wertvollsten Freiräume der Stadt Köln.

Vor allem junge Nachwuchskünstler_innen haben hier die Möglichkeit, sich in einem nichtkommerziellen und selbstorgansierten Rahmen zu erproben und Ideen für die Musik, die Kunst und das Theater von morgen zu entwickeln.

Die Unabhängigkeit, Selbstorganisation und Eigenverantwortlichkeit, welche für die Entwicklung und die Entfaltung von kreativem Potential unerläßlich sind, bietet das AZ wie kein anderer Ort der Stadt.

Wir möchten den Verantwortlichen der Stadt Köln die Einmaligkeit und den hohen kulturellen Wert dieses Freiraumes deutlich machen. Wir als Musik-, Kultur- und Kunstschaffende sind auf solche Räume angewiesen.

Leider hat die Stadt Köln den bestehenden Nutzungsvertrag ohne Sachzwang zum 30. Juni 2013 gekündigt. Der Abriß des Gebäudes zugunsten eines Grünstreifens scheint beschlossen. Das Autonome Zentrum Köln ist massiv von der gewaltsamen Räumung bedroht. Gerade in Hinsicht auf das dortige kulturelle Leben erfüllt uns dies mit großem Unverständnis.

Aus unserer Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur wissen wir, daß es keine kreativen Handlungen gibt, die nicht die Freiheit zum Ausdruck haben. An den Stellen, wo Menschen ihre Formen des Ausdrucks nicht selbst bestimmen können, verarmt deren Gehalt. Echte Ideen entstehen, wo ihre Bedingungen frei gewählt und selbst gestaltet werden können.

Einen kulturellen und gesellschaftlichen Zustand kann man nicht verordnen. Stattdessen ergibt er sich aus überpersönlichen Entscheidungsprozessen interessierter und engagierter Menschen. Ein autonomes Zentrum bietet die Möglichkeit zur kulturellen Betätigung in einem konsensbasierten, demokratischen Entscheidungsraum.

Diese Form der Selbstorganisation bietet ein kraftvolles Potential für bisher Unerhörtes, was möglicherweise irgendwann einmal allen dient. Die Gegebenheiten des Autonomen Zentrums sind aus ihrem demokratischen und selbstorganisierten Wesen heraus essentielle Voraussetzungen für die der Kunst obliegenden Suche nach Wahrheit und der Findung neuer Antworten auf drängende gesellschaftliche Fragen.

Mit Besorgnis beobachten wir daher, daß der Rat der Stadt Köln den hier stattfindenden Ausdruck einer echten Jugend- und Stadtkultur in ihrem künstlerischen und gesellschaftlichen Gehalt verkennt und nicht honoriert. Wir sind erstaunt, daß ohne Not ein Ort dem Erdboden gleich gemacht werden soll, an welchem ohne Inanspruchnahme öffentlicher Mittel kreative Prozesse initiiert und ermöglicht werden.

Wir hoffen, daß der Grund dieses Handelns nicht schlicht die Angst vor Neuem ist. Für die Figur Settembrini aus dem Roman „Der Zauberberg“ von Thomas Mann ist die Musik „politisch verdächtig“. In diesem Bild wird die ganze Magie des Neuen mit seinen Abweichungen von der Norm aufgezeigt, inklusive einer echten Freiheit, die auch Unbehagen erzeugen kann, weil sie sich manchmal der Kontrolle entzieht.

Kunst ist schön und macht viel Arbeit, doch zumeist sind wir froh über unsere Möglichkeiten, uns künstlerisch auszudrücken. Der Selbst-Ausdruck ist eines der grundlegenden, aber nicht materiellen Bedürfnisse des Menschen. Manchmal ist es nur der Wille, sich auszudrücken ohne hierbei ein verwertbares und fertiges Kulturprodukt im Sinn zu haben. Es muß der Kunst unbedingt gestattet sein, sich auszuprobieren. Ergebnisse im handfesten Sinne entstehen manchmal unbemerkt, sicherlich häufig aber ungeplant. Hierfür braucht es Orte.

Die mutwillige Zerstörung eines solchen Ortes unter Verkennung seines kulturellen Wertes mit den Mitteln der Verwaltung ist aus unserer Sicht den demokratischen Ansprüchen dieser Zivilgesellschaft unwürdig.

Wenn wir spüren, was zu allen Zeiten durch die Musikgeschichte hindurch denkbar gewesen zu sein scheint, ist es für uns unerträglich zu hören, daß manche Systeme und Beschlüsse angeblich „alternativlos“ seien.

Wir wollen in einer Stadt leben, in der es ein autonomes Zentrum gibt. Deshalb fordern wir den Rat der Stadt Köln auf, die Räumung entschlossen abzuwenden und in einen demokratischen Diskurs mit den Verantwortlichen des AZ einzutreten.

Die Anwendung von polizeilicher Gewalt gegen jene, die diesen demokratischen Diskurs suchen, ist kein statthaftes Mittel der Auseinandersetzung mit den Forderungen und Anliegen einer zivilen Gesellschaft.

Lehrende: Prof. Dr. Michael Rappe Prof. Dr. Annette Kreutziger-Herr Prof. Ursula Schmidt-Laukamp Prof. Dieter Manderscheid

Studierende: Dorothee Neumann (Studierendenparlament) Joon Laukamp Frank Beiler (Promotionsstudent) Jan-Nicolai Kolorz (Promotionsstudent) Wolfgang Ruland Robbert Vermeulen Yannick Noval Felix Cornelius Philipp Lack Samuel Dobernecker Christian Vierling Adrian Oberländer Daniel Geßner Leonhard Spies Sascha Frick Tobias Juchem Juliane Heil (Studierendenparlament) Anna Naue Maximilian Stössel Lea Böscher Moritz Baerens Mike Hackbarth Lukas Föhrenbacher Emi Noda Max Mille Veronika Skala Jenny Lerose Maximilian Krummen Konstantin Pfalz Hildegard Windfelder Cosima Logiewa Misa Vidakovic Anika Mittendorf Miriam Zeh Katharina Schmitt David Quaas Robert Brustmeier Alexandra Kockelmann Nicolas Berge Christoph Stöber

Uns wird kein Glück beschieden sein solange wir mit dieser SPD geschlagen sind.

Sehr lesenswerter Artikel aus dem Sonne, Mond und Sterne Blog aus Köln Kalk

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Kann jemand erklären, wie man die unbeschreibliche Provinzialität, den mangelnden Sinn für Ästhetik – zumal urbane, den menschenverachtenden Ökonomismus von „Arbeitsplätzen“ und „Profitabilität“ und überhaupt das Fehlen jedes Gespürs für das Schöne, das Wohltuende, Menschenfreundliche bei der Kölner Sozialdemokratie ertragen soll?
Die Liste der Kölner Pfusch- und Mauschelarbeiten (Rolf Dieter Brinkmann) geht bekanntlich auf keine Kuhhaut. In Kalk sind wir aktuell mit mindestens 3 Zumutungen seitens der organisierten Geistlosigkeit der SPD konfrontiert: Das Ringen um das Autonome Zentrum, die Kommerzialisierung der Freizeitaktivitäten am Rather See und der verhinderte Umbau und Nutzung der alten Polizeiwache durch ein kollektives Mehr-Generationen-Wohnprojekt namens Futur3. (Den Konflikt um den Hubschrauber – Landeplatz auf dem Kalkberg lassen wir heute mal außen vor. )
Im Zusammenhang mit dem AZ tut sich besonders die Kalker Ratsherrin Susana dos Santos-Hermann durch gebetsmühlenartiges Wiederholen des Satzes „Das AZ passt nicht nach Kalk“ (z.B. hier) hervor, ohne sich um ein Argument dafür auch nur zu bemühen. Eines wohlgemerkt, das nicht aus der Mottenkiste namens „Grünstreifen“ oder „Schulerweiterung“ kommt, die beiden Lieblingsgründe dieser Regierungspartei in einer Millionenstadt. Beide Argumente sind bereits so oft widerlegt, alternative Planungen vorgelegt worden, dass sich ein denkender Mensch von der Stumpfheit der Kölner SPD nur noch beleidigt fühlen kann. Eine Grünstreifen genannte Hundekackwiese – nichts anderes sind die meisten Grünflächen in der Stadt: sozial tot und verkotet – ist ihr so dermaßen viel wichtiger als ein Zentrum für politische, soziale und kulturelle Alternativen, dass sie den Konflikt schon fast genüsslich eskalieren lässt. Zur Zeit fühlt sich der Oberbürgermeister von ein paar Tropfen Uhu und ein paar Plakaten an seinem Wohnhaus bedroht, als hätte die RAF seine Tochter entführt. Dieses ganze Gezeter versteht nicht einmal mehr die Polizei, die den Antrag auf Personenschutz mangels Gefährdung abgelehnt hat und ansonsten nur verlautbaren lässt, man hoffe weiterhein auf eine friedliche Lösung und setze zur Not die Eigentumsrechte durch, das sei ja nunmal Aufgabe.
Sowohl Grünstreifen – über dessen Notwendigkeit sich überhaupt und an dieser Stelle im Besonderen streiten lässt – als auch Schulerweiterung sind ohne Schließung and Abriss des AZ möglich. Allein, die SPD, allen voran der Fraktionsvorsitzende Martin Börschel und OB Roters stellen sich stur. Gut möglich, dass sie schon selber gar nicht mehr wissen warum.

Gleich um die Ecke des AZ, in der Kapellenstrasse Ecke Kantstrasse, steht seit einigen Jahren ein hässliches, freistehendes Gebäude leer, das einmal die alte Polizeiinspektion 8 beherbergte. Das Wohnkollektiv Futur3 entwarf zusammen mit dem Architekten Bodo Marcziniak eine großartige Vision, das Haus in ein Mehr-Generationen-Wohnhaus umzubauen, mit Atrium, Dachterrasse, Garten und einer menschenfreundlichen, angenehmen Umgestaltung des öffentlichen Platzes davor, allen Kalker_innen zum Genuss.
Das Gebäude gehört dem Land NRW. Dieses hat sich verpflichtet, seine Immobilien nicht nur meistbietend sondern auch zur Förderung sozialer Zwecke unter Marktpreis zu verkaufen. Die Gruppe stand bereits in Kaufverhandlungen mit der Landesimmobiliengesellschaft. Doch sie machten die Rechnung ohne den ästhetischen und sozialen Stumpfsinn der Kölner SPD. Diese setzt sich in den Kopf – und nur sie weiß warum – dass das Kölner Studentenwerk das Haus kaufen und als Studentenwohnheim betreiben möge. Das Werk war daran gar nicht interessiert und wollte der Gruppe Futur3 gerne den Vortritt lassen. Kraft ihrer politischen Einflussmöglichkeiten steht die Kölner Sozialdemokratie nun kurz vor dem Ziel, eine Lösung durchzusetzen, die keiner will außer ihr selbst und deren Notwendigkeit keiner versteht außer sie selbst. Mit dem Ergebnis, dass ein ansprechender, großartiger, weitdenkender, architektonisch anspruchsvoller Entwurf zurücktreten muss vor der hässlichen Kölner Durchschnittslösung. Es wäre ja auch noch schöner, wenn die „Kalker Assis“ in den Genuss des schönsten Platzes von Köln kommen und sich der Rest der Kölner_innen fragt, warum eigentlich ihre Plätze keine Aufenthaltsqualität haben. Am Ende kommen die noch auf die Idee, dass der öffentliche Raum schöner, wohltuender, freundlicher gestaltet sein könnte als es die Plätze genannten Betonflächen mit den Beete genannten Hundeklos und den Grünstreifen genannten Rasenflächen sind! Nicht auszudenken!
Ein ähnliches Gespür für das Gute und Schöne beweist der Sozifilz gerade bei der Planung der zukünftigen Nutzung des Baggersees in Neubrück/Rath. Es fehlt an Naherholungsmöglichkeiten in und um Köln, und an solchen mit Bademöglichkeit erst recht. Das Naturbad im nahen Vingst erregte letztes Jahr Bürgerproteste aufgrund enorm eingeschränkter Öffnungszeiten. Der Rather See wird seit eh und je von den Menschen aus den umliegenden Stadtteilen genutzt: zum Baden, Spazierengehen, Hunde ausführen, Grillen, Feiern, Musikmachen, sich entspannen. Ein Angelverein bewirtschaftet das Gewässer. Das Miteinander am See funktioniert im Großen und Ganzen sehr harmonisch.
Der See liegt zwar nahe an der Autobahn und in der Einflugschneise des Flughafens, trotzdem ist es hier relativ ruhig und man hört die Vögel zwitschern. Außer der hohen Wohnhäuser von Neubrück sieht man nichts von der Stadt. Doch anstatt das Bedürfnis nach Erholung anzuerkennen und die bisherige Nutzung des Sees als Ausdruck des Bürgerwillens zu deuten, fällt der SPD regierten Stadt nichts besseres ein, als einem Investor die Verwirklichung seines Traumes von Wasserskibahnen zu verwirklichen. Dazu gibt es ein bisschen Gastronomie und einen kleinen Bereich zum Baden – gegen Eintritt versteht sich. Der Rest des Sees soll gesperrt und zur Naturschutz-Zone erklärt werden.
Dass anderswo genau aus Naturschutzgründen der Betrieb von Wasserski verboten oder strengstens reglementiert ist, weil er die Tiere zu sehr beeinträchtigt – was interessiert’s die Kölner SPD? Dass sich die verkehrslärm-geplagten Ohren der AnwohnerInnen von ICE-Strecke, Flughafen, Autobahn und Ausfallstrassen nun auch noch beim Baden Motorenlärm anhören dürfen – was soll’s? Dass das Wasserskifahren eher Gäste von weiterher anlockt, nicht aber der Naherholung dient, dass die einkommensschwachen Stadtteile im rechtsrheinischen Köln etwas Anderes brauchen als die Zerstörung ihres kostenlosen Freizeitvergnügens und ein weiteres kommerzielles Angebot, das sie sich nicht leisten können – was kümmert das schon einen Sozialdemokraten wie den Bezirksbürgermeister Markus Thiele? Der äußert eher Verständnis für das Profitinteresse des Investors.

Es heißt von Köln, es sei zwar hässlich, aber die Leute seien so nett. Auf die Dauer kann man davon nicht leben. Vor Allem wenn das nett sein mit so viel Unverstand einhergeht. Es ist 40 Jahre her, dass der Schriftsteller Rolf Dieter Brinkmann auf die Kölner Verhältnisse geschimpft hat. Es hat sich nichts verändert.

 

Update zur aktuellen Situation und zur Demo one struggle one fight!

Im Moment platzt das AZ aus allen Nähten, es werden den ganzen Tag Barrikaden gebaut, es laufen Aktionen in der Stadt und gibt reichlich Programm. Die gather&resist-Tage sind daher ein voller Erfolg.
Abgeschlossen werden soll die gather&resist-Woche mit einer großen Demo am Samstag, den 6. Juli, unter dem Motto one struggle one fight. Die Demo startet am Samstag um 16 Uhr auf dem Platz vor der alten Polizeiwache an der Kapellenstraße in Köln-Kalk, wenige Meter vom Autonomen Zentrum.
Mit diesem Text wollen wir ein Update zur aktuellen Situation rund um das Autonome Zentrum in Köln geben, sowie näher auf das Konzept der Demo eingehen.

 

Zur politischen Lage in Köln

Die Kölner SPD fühlt sich mittlerweile in die Ecke gedrängt und schlägt jetzt wild um sich. Als Reaktion auf nächtliche Plakataktionen einer Gruppe, die sich selbst „SPD Ortsgruppe Domplatte“ nennt, bei den Wohnhäusern von mehreren verantwortlichen SPD-Politiker_innen, tritt die SPD eine rießige Medienwelle gegen das AZ los. Das Pressetelefon stand den heutigen Tag kaum still. Von Bild bis RTL wird gegen die gewaltbereiten Autonomen gehetzt, der Oberbürgermeister Jürgen Roters bekundet scheinheilig er habe Angst um seine Familie, um die Stimmung weiter anzuheizen. Der SPD-Vorsitzenden Jochen Ott fordert eine Distanzierung von den Gewalttäter_innen die zu brutalen Mitteln wie Klebstoff und Farbe greifen. Und er vergreift sich dabei am Telefon gewaltig im Tonfall, wenn er den Aktivist_innen „faschistische Methoden“ vorwirft. Der öffentliche Aufschrei über diesen Vergleich blieb jedoch bisher aus, stattdessen tröten die üblichen Medien in das selbe Horn. Endlich ist ein Thema gefunden, das davon ablenkt, dass die SPD bisher zu keinerlei Zugeständnissen bereit war und die volle Verantwortung für die jetzige Situation trägt. Erneute Gesprächsangebote aus dem AZ bleiben unbeantwortet. Die SPD setzt auf Eskalation und Kriminalisierung und versucht so die öffentliche Stimmung auf eine Räumung des Autonomen Zentrum vorzubereiten. Selbst Aufforderungen der Kölner Polizeiführung, in Gesprächen zu einer politischen Lösung zu finden, verweigert sich die SPD weiterhin.

 

gather&resist – weeks of solidarity

Seit Freitag letzter Woche sind ca. 300 Aktivist_innen aus diversen Städten Deutschlands und teilweise aus europäischen Nachbarländern im AZ zu Gast und helfen unermüdlich mit das Haus gegen eine Räumung abzusichern. Mit Zementmischern, Schweißgeräten und jeder Menge Material werden seit einer Woche Barrikaden errichtet und Fenster verbarikadiert.
Täglich finden Aktionen in der Stadt statt. So gab es den Versuch einer kurzfristigen Besetzung des WDR-Gebäudes, um auf die Räumung und polizeiliche Repression gegen die Hungerstreikenden des refuggee strike aufmerksam zu machen. Es wurde unter anderem unter dem Motto „Der SPD in die Suppe spucken – AZ Köln bleibt“ auf einem Platz an der Kalker Post, eine öffentliche Suppenküche für ca. 200 Menschen errichtet. Die SPD Geschäftsstelle wurde kurzfristig zum SPD-Kulturzentrum umfunktioniert und dieses mit einem Sektempfang eröffnet. Am heutigen „Unfug“-Tag führte ein Stadtrally zu den Akteuren, die derzeit die Räumung des Autonomen Zentrums vorbereiten. Und das sind nur ein paar Beispiele.
Das ganze wird begleitet von einem riseßigen Polizeiaufgebot, dass im ganzen Stadtteil präsent ist und diversen Polizeiübergriffen. So wurden bereits am Wochenende nach dem Versuch der WDR-Besetzung 15 Aktivist_innen brutal in Gewahrsam genommen. Am gestrigen Abend kam es ebenfalls zu drei Ingewahrsamnahmen in unmittelbarer Nähe des AZ.
Doch die Repression konnte die Stimmung im AZ nur kurzfristig trüben. Es wird weiter gewerkelt, gekocht und geplant. Ganz nebenbei gibt haben die angereisten AZ-Unterstützer_innen so viele spannende Vorträge mitgebracht, dass wir in den letzten Tagen gar nicht hinterherkamen das Programm auf unserer Website aktuell zu halten.

 

Die One Struggle One Fight Demo

Mit der Demo am Samstag wollen wir zum Abschluss der gather&resist-Woche nochmal ein starkes Zeichen setzen, dass viele Menschen das Autonome Zentrum in Köln unterstützen und sich einer Räumung in den Weg stellen werden. Ziel ist es klar zu machen, dass wir kein Köln mehr ohne AZ wollen und dass wir entschlossen sind das AZ zu verteidigen. Wir freuen uns über zahlreiche Beteiligung von nah und fern und hoffen, dass viele Menschen mit uns auf die Straße gehen und ihre Solidarität mit dem Autonomen Zentrum zeigen. Gerade in der jetzigen Situation ist es nochmal wichtig Präsenz zu zeigen. Wir freuen uns über mitgebrachte Transparente, Sprechblasen und sonstige Gimmicks.

Gleichzeitig wollen wir mit der Demo auch über den Tellerrand des Kölner AZ hinaus schauen und inhaltlich an einige der vielen anderen Kämpfe die derzeit stattfinden anknüpfen und auch andere Projekte zu Wort kommen lassen.

Die Demo soll beginnen mit einer Auftaktrede zur aktuellen Situation rund um das Autonome Zentrum Köln und zur gather&resist-Woche. Es folgt ein Redebeitrag zur aktuellen Entwicklung um den Refuggee Strike und die aktuelle Repression, sowie zur Aktion vom letzten Wochenende.
Danach zieht die Demo über die Kalker Hauptstraße zu Kalk-Post. Auf diesem Stück der Strecke wollen wir uns verstärkt auch mit Flugblättern an die Menschen in Kalk richten, die bereits jetzt durch die ständige Polizeipräsenz in Mitleidenschaft gezogen werden.

Nach einer Zwischenkundgebung geht es weiter am Polizeipräsidium auf einem etwas länglichem Stück Richtung Deutz, währendessen wir Platz für diverse Redebeiträge unterschiedlicher Projekte haben. Wenn ihr noch kurze Beiträge beisteuern wollt meldet Euch bitte bei uns.

Nachdem wir über die Deutzer Brücke den Rhein überquert haben, wollen wir noch mal richtig laut werden, wenn wir durch die Altstadt zum Kölner Rathaus ziehen und unseren Protest an die Verantwortlichen in der Stadt herantragen, die derzeit alles unternehmen, um auf eine Räumung des AZ hinzuwirken. Die Demo endet auf dem Roncalliplatz vor dem Dom (nähe Hauptbahnhof). Geplant ist dort auch noch ein kleines Solikonzert.

 

Infrastruktur während der Demo

Für Anreisende von außerhalb gibt es reichtlich Schlafplätze. Bitte kommt im Vorfeld der Demo ins AZ und meldet Euch dazu am Infopunkt im Foyer. Wir versuchen während der Demo, wie auch die ganze Woche im AZ ein Awareness-Team zu stellen, dass sich in der Nähe des Lautsprecherwagens aufhält und dort im Fall von übergriffigen Verhalten in der Demo asprechbar ist.
Während der Demo wird es auch einen Ermittlungsausschuss geben, der unter gewohnten Kölner Nummer 0221-9327252 erreichbar ist. In der Regel können auf diesem Wege auch die Demosanis erreicht werden. Bitte beachtet auch die Hinweise zum Verhalten auf Demonstrationen. Für Tickermeldungen während der Demo werden wir den AZ-Twitter nutzen.

 

Wie geht es weiter?

Wir freuen uns auch nach der Demo weiterhin über Solidaritätsbekundungen, Unterzeichenrinnen der Petition und tatkräftige Unterstützung. Wir werden in den Tagen nach der Demo einen SMS-Räumungsalarm-Verteiler auf der Website veröffentlichen, auf den ihr Euch eintragen könnt. Außerdem folgt in Kürze der Aufruf zur „Samstag nach Tag X“-Demo falls das AZ geräumt werden sollte, für den wir uns auch im Vorfeld viele Unterstützer_innen wünschen, um deutlich zu machen, das eine Räumung keine gute Idee ist.
Außerdem werden wir unser Kulturprogramm im AZ wie gewohnt fortsetzen und freuen uns über zahlreiche Mitstreiter_innen. Auch nach dem Ende der gather&resist-Woche wird es weiterhin Aktionen in der Stadt geben. Wir werden Euch auch weiter auf dem laufenden halten.

Bikekitchen

HeyHo, liebe Freunde und Freundinnen der gepflegten Fahrradkultur!

direkt zu den Öffnungszeiten

Willkommen in der Kölner bikekitchen –  wir machen mobil!

Schraubt Ihr schon immer gern an Fahrrädern rum, oder steht Euch das noch bevor? Egal ob Du ein Problem mit Deinem Fahrrad hast, das Du ohne Rat nicht in Angriff nehmen möchtest – oder ob Du schon genau weißt, an welchen Schräubchen Du drehen kannst: Komm, teile Deine Fragen und Dein Wissen rund ums Rad in unserer tollen Selbsthilfe-Werkstatt!

Von einfachen Pflegetipps, die das Radeln leichter machen bis hin zu Plänen für ein selbstgeschweißtes Lastenrad – an unserem Treffpunkt kommt einiges Fahrradwissen zusammen. Wahrscheinlich ist auch dabei, was Du gerade brauchst.

Werkzeug ist vorhanden, und soweit die „gut sortierte“ Fundgrube es zulässt, kannst Du auch gebrauchte Ersatzteile oder kreative Inspirationen finden. Nur: Die Hände dreckig machen – das musst Du schon selbst. Natürlich helfen die Kundigeren unter uns gerne, greifen Dir schon mal helfend in die Speichen oder ziehen etwas nach, wenn bei Dir eine Schraube locker ist – aber grundsätzlich bedeutet Selbst-Hilfe eben:

Werkeln tust DU!
Aber nicht alleine.

Der Name bikekitchen steht für Fahrradkultur, Solidarität untereinander und
Wertschätzung für Ressourcen. Upcycling und Recycling lassen sich wirklich
machen! Nicht „bloß drüber reden“…

Apropos Reden – an sich ja auch keine schlechte Idee:
Unsere Sofaecke lädt dazu ein, mit anderen Fahrradbegeisterten auf den nächsten Schraubplatz zu warten, zu schwatzen und zu tüfteln. Hier kann man gemütlich Kaffee trinken, z. B. über die Vorteile von Stahlrädern diskutieren, einen Lastenrad-Verleih planen oder sich auf Aktionen wie die monatliche Gemeinschaftsfahrt critical-mass einstimmen.

Wir nehmen wie bisher gerne Spendenräder oder vermeintlichen Fahrradschrott entgegen! Es gibt kein Wrack, von dem wir nicht noch wenigstens eine Schraube gebrauchen könnten, Lastenräder schweißen oder… oder… oder…

Ansonsten: Schmieröl und Verschleißteile wachsen weder auf Bäumen noch auf gespendeten Gebrauchträdern. Und was Energieversorger nehmen, fällt auch etwas aus dem Fahrradrahmen. Deswegen bitten wir euch, auch etwas Geld dazulassen.

Fragen? Ideen und Vorschläge? Noch mehr Informationsbedarf??
Schreib uns

Bis dahin, ein herzhaftes
Bike, bike!

Spontandemonstration: Clément von Nazis ermordet – Kein Vergeben! Kein Vergessen!

NI OUBLI! NI PARDON! | Kein Vergeben! Kein Vergessen!

Spontandemonstration: 7. Juni 2013, Köln HBF Vorplatz, 21:00 Uhr (Es geht pünktlich los)

Am Mittwoch den 05.06. wurde der 18-Jährige Antifaschist Clément Méric in Paris von Faschist_innen ermordet. Auf einer viel belebten Fußgängerzone lauerten die Nazis ihm auf, um ihn anschließend so zu traktieren, dass er wenige Stunden später im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag. Klar ist: Solche Taten sind keine Ausrutscher von einzelnen, etwas übereifrigen Nazis. Vielmehr ist Mord seit jeher zugleich Mittel und Zweck des Faschismus. In Frankreich geschieht dies vor dem Hintergrund eines gesellschaftlichen Klimas, welches geprägt ist von seit Monaten andauernden homophoben Mobilisierungen, bei denen auch gewalttätige Übergriffe an der Tagesordnung sind. So konnten sich die Faschist_innen durch diese Formierung der Reaktion gestärkt fühlen und neues Selbstbewusstsein schöpfen.
Wir werden unseren antifaschistischen Kampf solange fortsetzen, bis sowohl der Faschismus als auch seine Wurzeln endgültig überwunden sind – dies sind wir nicht zuletzt seinen Opfern schuldig!

Klar ist zudem auch: In unserem Kampf gegen den Faschismus können wir uns nicht auf den Staat verlassen. Wie jeder von den Bullen durchgeprügelte Naziaufmarsch und nicht zuletzt die rassistischen Mordserie des NSU gezeigt hat, unterstützt dieser indirekt – wenn nicht sogar direkt – solche Taten.

Der Mord an Clément reiht sich ein in eine lange Liste von Morden an AntifaschistInnen in ganz Europa. So erinnern wir heute auch an die Morde an Stanislav Markelov, Anastasia Baburova, Timur Kacharava, Feodor Filatov, David Cesare (Dax), Renato Biagetti, Carlos Palomino, Jan Kucera, Thomas Schulz, Silvio Meier und vielen weiteren.

On est ensemble, on n’oubliera pas – Wir stehen zusammen, niemand wird vergessen!

Antifa AK Köln

BINZ & AZ Köln – Two squats one struggle

Ausgesucht haben wir uns diesen Terror sicherlich nicht! Konsumierte, diktierte, gentrifizierte Städte, kein Raum für autonome Zonen, Bullenknüppel, die für die Politiker*innen sprechen.

Ende Mai soll die autonome Zone Binz weg gemacht werden, auf Vorrat abgerissen um zur verfügbaren Fläche der Städteplanung zu werden. Es soll verschwinden, was den Alltag des Kapitalismus stört, was eine andere Welt jenseits der Verwertungslogik erahnen lässt. Unser Zorn potenziert sich mit jedem Angriff auf die Strukturen unseres Widerstands gegen die Gesamtscheiße. Auch das AZ in Köln ist nun zum dritten Mal in seiner nur 3 jährigen Geschichte räumungsbedroht. Am 30. Juni läuft das Konstrukt eines Nutzungsvertrags mit dem die Stadt Köln das autonome Zentrum duldete endgültig aus. Nach Räumung und Abriss des Gebäudes soll ein „Grünstreifen“ (ein überdimensionales Hundeklo)  entstehen, der für die Stadtentwicklung der modernen kapitalistischen Stadt scheinbar sinnvoller und effektiver ist als ein selbstverwaltetes Zentrum, eine potenzielle Keimzelle des Widerstands. Der Kampf um die sogenannten Freiräume ist immer auch ein Ausdruck von Sehnsucht nach einer grundlegend anderen Welt.

Es ist ein besonderes Gefühl ist im AZ, der Binz oder in anderen squats zu sein. Es sind unsere Räume, in einer Welt in der wir sonst keine Orte haben. Die Angriffe auf die BINZ in Zürich und das AZ in Köln finden nicht im luftleeren Raum statt  sondern sind Ausdruck für die alltäglichen Bedrohungen, unter denen selbstverwaltete, libertäre und emanzipatorische Projekte nicht erst seit heute leiden. Diesem Angriff wollen wir nicht in reiner Abwehrposition entgegenstehen, sondern immer wieder Risse in der Idee der konsumierten und diktierten Stadt erzeugen. Bereits vorhandene Risse mit Leben füllen – Disteln im Beton!

Immer wieder haben wir in Köln in den letzten Tagen die Autonomieerklärung der Autonomen Zone BINZ voller Begeisterung und Demut gelesen, haben uns von eurem Mut mitreißen lassen und so den Zorn auf den drohenden Verlust unserer Projekte potenziert.

Wenn ihr schreibt:

„Die AUTONOME ZONE BINZ wird durch gemeinschaftliches Leben, leidenschaftliche Aktivität, banal komplizierte Auseinandersetzung, gezielte Desorganisation, kreatives Chaos und akuten Widerstand entfaltet…  Die Unabhängigkeitserklärung der BINZ ist ein unabdingbar notwendiger Akt radikaler Selbstbestimmung. Das Ziel ist nicht die Isolation, Marginalisierung oder Autarkie, sondern ein souveränes Terrain, das sich jeglichem Zuständigkeitsbereich entzieht.“

dann strahlen diese Worte weit über Zürich hinaus und geben auch uns Hoffnung.

 

In Zürich gab es riots nachdem die Cops einen bunten Straßenumzug für den Erhalt der BINZ angegriffen haben.  Barrikaden, Militanz, ein geplünderter Coop, eine entglaste Innenstadt: plötzlich entladene Wut auf die Zustände und Zurichtungen des kapitalistischen Systems, die an der Bedrohung eines geliebten Projekts kristallisieren.

Erst kürzlich wurde auf der warm up for resistance Demo in Köln folgendes gesagt:

„Der Aufstand wird greifbar, wir spüren diese kommende Wärme, als ob erstarrte Hände kribbelnd wieder zum Leben erwachen. Wir beschweren uns nicht mehr, dass in der uns aufgezwungenen Gesamtscheisse kein Raum für Strukturen gelassen wird, die den bestehenden Verhältnissen etwas entgegensetzen wollen. Wir erkennen, dass unsere Politik, Kunst und Kultur erkämpft werden muss, da sie den Interessen der herrschenden Klasse sowieso messerscharf entgegensteht… “ Auch nach dieser Demo gab es Scherben in der Stadt.

Nach den riots in Zürich wurde die BINZ Opfer der staatlichen Repression, es kam zu einer Hausdurchsuchung und das Projekt wurde somit kriminalisiert und weiter gegen die Wand gedrückt. In der Presse lasen wir, dass sich einzelne Personen aus eurem Projekt bestürzt  über die „Gewalt“ der riot-Nacht geäußert haben.

Wie wird das bei uns in Köln sein, wenn sich der Zorn entlädt und die Konfrontation sichtbar wird, wenn Symbole der Macht von Staat, Nation und Kapital angegriffen werden. Wie werden wir danach miteinander reden, wenn die Frage der „Gewalt“ zwischen uns und unser Verständnis davon tritt?

Gewalt und Repression machen den allermeisten Leuten Angst, das ist verständlich, denn es geht dabei um die eigene Unversehrtheit.

Im nächtlichen Hof des AZ sagte eine Person dazu:

„Es ist eine andere Gewalt von der gesprochen wurde. In den meisten Fällen geht die Gewalt von oben nach unten. Sie dient der Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Struktur. Es ist der Befehl, die Steuer, die Abmahnung, die Verordnung, es sind die Knüppel und  Pistolen der Cops  und am Ende der Knast, wenn du wirklich und entschieden „Nein“ sagst zu einer Anordnung. Es ist Gewalt mit Macht. Unsere Gewalt, kann nur eine ohne Macht sein, unsere Körper sind nicht geschützt, uns ist die Gewalt verboten, ihnen nicht, sie sind die Gewalt. Das ist etwas anderes.“

 

Wir haben das Gefühl, dass wir uns viel zu sagen haben, dass unsere Projekte ähnliche Wege gegangen sind und dass wir zur selben Zeit von ähnlichen  gesellschaftlichen Akteuren und Institutionen bedroht werden. Wir haben Lust darauf uns auf euch und eure Kämpfe zu beziehen denn es sind auch unsere. Gerne würden wir von euren Erfahrungen hören und eure Einschätzungen vernehmen.

 

Mit solidarischen Grüßen

Von einigen Stimmen aus dem AZ Köln

 

PS: gerade lesen wir, dass ihr aus der BINZ rausgegangen seid, aber nicht von der Bildfläche verschwunden seid. Wir wünschen viel Erfolg bei der Suche nach einem neuen Squat als Raum für die autonome Zone. Tatsächlich interessieren uns eure Beweggründe für diesen Schritt, wir haben nur vage Vermutungen…

3 Jahre AZ – 27.04.

3 Jahre AZ – Whatever they say – AZ will stay

Am Samstag den 27.04.2013 ab 20:00 Uhr wollen wir mit euch gemeinsam den dritten Geburtstag des Autonomen Zentrums in Köln-Kalk feiern.

Um diesen Anlass gebührend zu zelebrieren
haben wir diesmal ein extravagantes Programm auf 3 Floors zusammengestellt,
um sicherzugehen das auch für jeden von euch etwas dabei ist.

Die Party ist außerdem zur Finanzierung neuer Musikinstrumente der Gruppe Rhythms of Resistance gedacht.

Featuring

Aesthetik und Zerstörung

Aus.Klang

Bässe aller Welten

Chaoz Drum n Bass

geheimklub

sowie die Bands:

Nakam

Nausae

Solidaritätserklärung vom AKKU an das AZ

Ein Angriff auf das AZ, ist ein Angriff auf uns alle!

Das Bestehen des Autonomen Zentrums Köln (AZ) in der Wiersbergstraße 44 ist seit dem 13. März 2013 stark gefährdet. Die Sparkasse KölnBonn kündigte den Nutzungsvertrag mit dem AZ zum 30. Juni 2013. Dieser Schritt vollzog sich ohne Verhandlungen und Gespräche über eine Perspektive des selbstverwalteten und unkommerziellen Projekts in Köln-Kalk.

Ab dem 1.7. ist die Stadt Köln neue Besitzerin des Gebäudes. Inwiefern die Stadt Köln Interesse an der Weiterführung des AZs hat, ist mehr als ungewiss. Die etablierten Parteien machten in den drei Bestandsjahren mehr als oft deutlich, dass sie kein Interesse an einem Raum haben, in dem Menschen, unabhängig ihrer sozialen und ethnischen Herkunft,  politische und kulturelle Veranstaltungen besuchen können. Sie haben kein Interesse daran, dass Menschen, unabhängig ihres Einkommens und Vermögens konkrete Hilfe bekommen und Solidarität erfahren können. Und sie haben ebenfalls kein Interesse daran, dass junge und alte Menschen, fernab von Verwertungsinteressen, ihr Leben selbstbestimmen können und gemeinsam an einem Projekt arbeiten können, das, in Zeiten von sich verschärfenden sozialen Einschnitten in das Leben vieler Menschen, eine Alternative bieten kann.

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