Bundesweiter Aufruf zum wütenden Räumungsauftakt

Am 01. August in Berlin gemeinsam und entschlossen auf die Straße

ALLE Räumungen verhindern:
Liebig34, OMZ, AZ Köln, Syndikat44, Rigaer94 und alle Ungenannten – Wir bleiben Alle! Sabotieren wir die herrschenden Verhältnisse! Für die Stadt von Unten!

„Bundesweiter Aufruf zum wütenden Räumungsauftakt // Räumungen – Abschiebungen – Faschisierung – Raus aus der Defensive – Demonstration am 01.08.2020 – 20 Uhr – Berlin-Herrfurthplatz

Nicht erst seit Corona sind die Zeiten rau. Die Faschisierung der Gesellschaft schreitet voran. Damit einhergehend wird gebetsmühlenartig die Gefahr des Sozialismus und der Hass auf alles Linke heraufbeschworen. Die Hufeisentheorie erfreut sich größter Beliebtheit. Unter dem Deckmantel totalitärer Theorien und fernab jeglicher Fakten wird eine stetige Gleichsetzung zweier angeblich gleicher Extreme gegen einer herbeihalluzinierten bürgerlichen „Mitte“ betrieben. Diese liberal-bürgerliche Gleichsetzung von Sozialismus und Faschismus hat gewisserweise Tradition in Deutschland, ebenso die Kollaboration dieser bürgerlichen „Mitte“ mit dem Faschismus, um mit ihm gegen den Sozialismus, oder gegen all das, was sie als sozialistische Gefahr begreifen, vorzugehen. So auch in ihrem Antifeminismus, einer weiteren Schnittstelle zwischen „bürgerlich-konservativen Mitte“ und Faschisten, welcher darauf abzielt, in der Aufrechterhaltung der binären Geschlechterordnung die konservativen Vorstellungen ihrer Herrschaftsordnung zu erhalten und dazu versucht Errungenschaften feministischer Bewegungen zurückzudrehen.

Faschistische Terroranschläge in Hanau und Halle, Rechte Netzwerke die sich organisieren & bewaffnen, bewaffnete Faschisten im Staatsapparat die sich auf einen Bürgerkrieg vorbereiten, Geheimdienstliche und staatliche Verstrickungen in den NSU die unter Verschluss gehalten werden. Diese Liste ließe sich ohne Weiteres verlängern. Die faschistische Gefahr ist real.

Dazu gesellt sich eine EU-Außenpolitik die auf Abschottung setzt -nachdem der Deal mit dem Erdogan Regime die Drecksarbeit die letzten Jahre in die Türkei oder nach Libyien ausgelagert hat- sehen sich Geflüchtete nun an Europas Außengrenzen erneut bewaffneten Milizen von Grenzpolizei, Frontex und faschistischen Gehilfen ausgeliefert. Nicht nur im Namen der EU auf den griechischen Mittelmeerinseln, sondern auch mit dem deutschen Lagersystem setzt Deutschland auf das Mittel des Terrors durch Isolation, psychische/ physische Gewalt und Abschiebung. Die vergeblichen Appelle die Menschenrechte zu achten, wie es Unteilbar tut, werden belächelt.

Ob bei den Wahlen und damit verbunden dem sogenannten „Dammbruch“ in Thüringen oder den harschen Reaktionen der Immobilien Lobby, der liberal-konservativen Politischen Klasse und den Springer Schmierblättern auf den Berliner Mietendeckel haben einmal mehr gezeigt. Die herrschende Klasse der BRD fürchtet alles Linke mehr als den Faschismus. Weil wir eben das Privateigentum an Produktionsmitteln und die Profitinteressen der herrschenden Klasse abschaffen wollen, sprich an den Grundfesten dieser bürgerlichen Ordnung rütteln möchten. Denn die herrschende Ordnung ist nicht der Status quo, dem es gegen all diese Gefahren zu verteidigen gelte, sondern ist den drohenden Katastrophen als Bedingung voraus.

Wir leben in Krisenzeiten, die sich durch die globale Pandemie weiter zuspitzt. Während sich auf der einen Seite ein unglaublicher Reichtum angehäuft hat, rutschen immer mehr Menschen in prekäre Lebensverhältnisse ab. Die Stagnation von Reallöhnen und die Verschlechterung von Arbeitsverhältnissen sorgten schon vor Corona für eine soziale Ungleichheit wie vor zuletzt 100 Jahren. Der Kapitalismus lässt die Corona-Krise für viele von uns zu einer existenzbedrohenden Angst werden. Soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten werden sichtbarer denn je. Während Millionen von Arbeiter*innen sich in Kurzarbeit befinden und auf einen großen Teil ihres Lohns verzichten müssen, werden Milliarden für die Rettung von großen Konzernen verpulvert. Hinzu kommt der kapitalistisch verfasste Mietenwahnsinn, dieser Profitmaschine der Eigentümer*innen unserer Wohn- und Lebensräume. Während die Eigentümer*innen von Immobilien massive Gewinne einfahren hat ein großer Teil der Bevölkerung auch mittels drastisch steigender Mieten mit einer Verschlechterung der Lebensverhältnisse zu kämpfen. Zu allem Übel sollen auch während der Pandemie die Mieten und somit auch die Gewinne für die Eigentümer*innen weiter fließen, während für uns ein großer Teil der Einkommen wegbrechen. Die Folgen: Verdrängung, in letzter Konsequenz durch Polizeiknüppel per Zwangsräumung. Die Neoliberalisierung der Wirtschaft, die Privatisierung staatlicher Dienstleistungen sowie der sukzessive Abbau von Sozialleistungen bescheinigen eine Erfolgsgeschichte eines Klassenkampfes von oben, eine permanente Enteignung unserer Lebensgrundlagen. Diese wird sich im Zuge der Krise weiter verschärfen, es stehen Angriffe auf unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen nicht bekannten Ausmaßes bevor, wenn es darum gehen wird, die Kosten für die Rettung des kapitalistischen Wirtschaftssystems auf uns abzuwälzen.

Das ständige Geschwafel von einem linken Extremismus und linker Gewalt täuscht dabei über diese immanente und kontinuierliche Gewalt der herrschenden Verhältnisse hinweg. Gerade deshalb dürfen wir uns nicht aus vorauseilendem Gehorsam von der bundesweiten Medienlandschaft und den politischen Entscheidungsträgern die Mittel unseres Kampfes vorschreiben lassen.
Der Staat, in Form seiner Polizei, hat es nahezu perfektioniert Demonstrationen repressiv zu kontrollieren. Da wir uns als Teil einer politischen Bewegung begreifen, die den bürgerlich-kapitalistischen Staat überwinden möchte, dürfen uns die Angriffe der Institutionen, die dazu da sind, um uns zu bekämpfen nicht wundern, jedoch muss es uns endlich gelingen dieser entstandenen Ohnmacht etwas entgegen zu setzen.

Denn:
In diesen rauen Zeiten, in denen die radikale Linke marginalisiert und schwach, ja fast schon ohnmächtig um Anschluss kämpft, sehen wir ganz akut eine ganze Reihe an emanzipatorischen selbstverwalteten Räumen und Projekten in Gefahr. Es steht nicht weniger auf dem Spiel, als eine ganze Reihe an Orte linksradikaler Vernetzung, Organisierung und Zusammenkommens gegen diese Gesamtscheiße.
All diese Projekte sind ein Bild aus der Zukunft, einer Zukunft ohne Ellenbogen und Verwertungsdruck, ohne „Survival of the fittest“ oder Ausschluss der Schwächsten. All diese Projekte waren und sind Orte eines solidarischen, unkommerziellen, widerständigen und selbstverwalteten Miteinanders. Und nun droht vielen dieser Orte in kürzester Zeit das Aus.

Nicht nur das Syndikat ist akut bedroht, in allen Ecken Berlins stehen Hausprojekte, Jugendzentren, alternative Lebensformen und andere Kollektivkneipen vor dem Aus. Täglich werden Mieter*innen aus ihren Wohnungen zwangsgeräumt oder werden anderweitig gezwungen um- oder gleich wegzuziehen.
Das anarcha-feministische Hausprojekt Liebig34, samt Veranstaltungsraum und Infoladen droht nach fast 30 Jahren zu verschwinden. Das selbstverwaltete Jugendzentrum Potse hält seine Räumlichkeiten seit Beginn des letzten Jahres besetzt und erwartet seine Räumung. Hier sollen fast 40 Jahre selbstorganisierte und unkommerzielle Jugendarbeit in die Ungewissheit verschwinden. Die Kollektivkneipe Meuterei, ein wichtiger Anlaufpunkt im immer aufgewerterteren Reiche-Kiez in Kreuzberg soll nach über 10 Jahren raus. Das Wohnprojekt Rigaer94 befindet sich im Dauerfeuer seitens seiner dubiosen Eigentümer und des Staates.

Solange wir in einer Gesellschaft leben, die der Logik der Kapitalverwertung folgt und Wohnraum als Waren gehandelt werden, um Profit zu erwirtschaften, wird sich die Verdrängungsspirale in der Stadt weiterdrehen. Aufwertung, Verdrängung und Zwangsräumungen verwandeln unsere Kieze mit lebendiger Kiezkultur in tote, entfremdete und lebensfeindliche Orte der Verwertung. Ein Bild aus der zu verhindernden Zukunft der Stadt der Reichen lässt sich schon heute am Potsdamer Platz begutachten. Unser gemeinsamer Kampf muss daher auch einer gegen die bestehenden Eigentumsverhältnisse und für die Vergesellschaftung von Wohnraum und Produktionsmitteln sein, damit unsere existenziellen Grundbedürfnisse wie das nach sicherem und bezahlbarem Wohnraum, kein Spielball eines Verwertungsinteresses mehr ist.

Die Zeit wird knapp, die Mittel scheinen begrenzt. Die Räumung des Syndikats soll den Auftakt einer ganzen Reihe von Räumungen in Berlin bilden. Daher rufen wir alle, die sich nicht mit den herrschenden Verhältnissen abfinden wollen dazu auf, am Samstag vor der angepeilten Räumung des Syndikats, am 01.08.2020 um 20 Uhr zu einer wütenden und entschlossenen Demo zu versammeln. Kommt von überall organisiert und vorbereitet zur Demonstration, bildet Bezugsgruppen, bringt Transparente mit, achtet auf Ankündigungen. Die Demo wird, was wir gemeinsam daraus machen. Den Masterplan dazu gibt es nicht, aber es ist Zeit neues auszuprobieren bzw. auf früher Bewährtes zurück zu greifen. Denn es lässt sich sagen, dass eine weitere Demo mit der Ohnmachtserfahrung Wanderkessel für uns keine Option sein kann.

Sabotiert die herrschenden Verhältnisse! Für die Stadt von Unten! Wir bleiben Alle!“

Quelle: https://de.indymedia.org/node/91172?fbclid=IwAR3ggff9LfjlSPzghGYEBXsL-Mr8iAoQljZtNTdGszo5NL6Cib7XxBtKRjs

Liebig34 bleibt!

Die Liebig34 – Anarcha-Queer Feminist Collective aus Berlin ist räumungsbedroht.
Liebe Liebig34, unsere Solidarität habt ihr! Liebig34 Bleibt! Alle Bleiben! Kein Tag ohne!

Das AZ Köln dokumentiert den aktuellen Blogeintrag (23.06.) der Liebig34 zur derzeitigenSituation:

„Am 17.06.2020 wurden unter anderem die Verteilerstelle für Gerichtsvollzieheraufträge in Tempelhof und das Büro des Innensenators vom Anwalt des pachtenden Mittendrin.Kommunikation uns anderes e.V. darüber informiert, dass sich in den Räumen der Liebigstraße 34 ein anderer Verein als der ursprünglich von Padovicz verklagte Raduga e.V., nämlich der Mittendrin.Kommunikation und anderes e.V. befindet. Somit richtet sich das am 03.06.2020 ergangene Urteil gegen den falschen Verein. Dies ist dem Gericht bereits mitgeteilt worden. Eine Räumung auf Grundlage des Urteils vom 03.06.2020 ist somit aktuell juristisch gesehen rechtswidrig! Da es in Berlin jedoch schon öfters zu rechtswidrigen Räumungen kam hat unser Anwalt dies auch noch einmal den offiziellen Stellen mitgeteilt.

Außerdem hat der seinerzeit verklagte Raduga e.V. gegen eben dieses Urteil Einspruch eingelegt und die Aussetzung der Vollziehung beantragt. Ein solcher Einspruch hat im Zweifelsfall allerdings keine aufschiebende Wirkung, d.h trotz des Einspruchs kann geräumt werden. Die Verhandlung über den Einspruch könnte also auch erst nach einer Räumung stattfinden.

Zudem hat die Bezirksverordneten Versammlung Friedrichshain- Kreuzberg ebenfalls am 17.06.2020, also gute 2 Wochen nach dem Gerichtsurteil, den Beschluss gefasst, die Liebig 34 sei nun doch schützenswert. So heisst es in dem Beschluss: „Mit seinem solidarischen Kiezbezug, seiner Widerständigkeit und dem antipatriarchal – politischen Anspruch prägt das Haus seit über zwei Jahrzehnten den Samariterkiez mit und ist von dort eigentlich nicht wegzudenken. Es ist fest in der Nachbarschaft des Samariterkiezes verwurzelt, bietet jenseits der fortschreitenden Kommerzialisierung wichtige Infrastruktur für kulturellen und politischen Austausch. Es ist einer der wenigen verblieben Freiräume in einem zunehmend von Gentrifizierung und Verdrängung bedrohten Kiez.“
Dies sind warme Worte, sie haben ansonsten aber nur eine Apellwirkung, also an sich keine. Es ist jedoch anzunehmen dass die Partei welche den Beschluss angeregt hat, sich bereits für die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus 2021 gut stellen wollen, nachdem ihre Galionsfigur Florian Schmidt im Kampf um die Liebig 34 so gut wie alles verkackt hat, was zu verkacken war.“


Für weitere Informationen checkt http://liebig34.blogsport.de/

20.06. Shut Down Mietenwahnsinn

Bundesweiter Aktionstag am 20.06.2020

In Köln werden die #Mieten unbezahlbar. Der Wohnungs­markt bedient nur die zahlungskräftige Nach­frage. Solange die Wohnung Ware ist, bleibt für Investoren und #Vermie­ter der #Wohnungsmangel erwünscht und treibt immer mehr Menschen auf die Straße oder in Sammelunter­künfte

Die COVID-19-Pandemie verschärft diese Krise dramatisch. Seit der Finanzkrise von 2008 fließen wach­sende Kapitalmassen in die Wohnungs- und Immobilien­wirtschaft. Mit Grundstücken und Wohnungen wird spe­kuliert. Die Gewinne haben die Mieter*innen zu bezahlen. #enteignen

Transsexuellengesetz abschaffen! Jetzt aktiv werden!

„Hallo liebe Friends,

Wir brauchen euren Support! Nach 40 Jahren, kommt der erste vernünftige Gesetzesentwurf, der das diskriminierende Transsexuellengesetz (TSG) ablösen kann. Das TSG entspricht schon lange nicht dem Stand der Wissenschaft und schafft hohe Hürden für trans* Menschen, die psychisch sehr belastend und zudem mit sehr hohen Kosten verbunden sind.

Der neue Entwurf beinhaltet folgende wichtige Punkte, um trans* und inter* Menschen ein selbstbestimmteres Leben in Deutschland zu ermöglichen:
– Die Änderung des Namens und Personenstands ist ab 14 Jahren durch eine einfache Erklärung beim Standesamt möglich.
– Beim Zugang zu Gesundheitsleistungen gibt es keine Altersbeschränkungen.
– An Personen unter 14 Jahren sind genitalverändernde Eingriffe verboten. Das schützt inter* Kinder davor, operativ einem der beiden binären Geschlechter zugewiesen zu werden.
– Die Elternschaft von trans* Personen wird anerkannt und sie können sich mit ihrem selbstbestimmten Namen und Personenstand in die Geburtsurkunde ihrer Kinder eintragen lassen.
– Ausbau von staatlich finanzierten BeratungsstellenDiese gesetzlichen Veränderungen und die Abschaffung des TSG sind lange überfällig!

Der Gesetzesentwurf kommt von Bündnis90 die Grünen und die FDP hat schon zugesagt diesen zu unterstützen. Für eine Mehrheit braucht es jetzt noch die Linke und die SPD. Die CDU hat sich auf Bundesebene schon klar gegen die Selbstbestimmung von trans* Menschen positioniert, doch vielleicht bekommt man hier ein paar einzelne Politiker*innen davon überzeugt für den neuen Gesetzesentwurf zu stimmen.
Und hier seid ihr gefragt! Das Jugendnetzwerk „Lambda“ hat dazu aufgerufen den Abgeordneten aus eurem Wahlkreis E-Mails zu schreiben und davon zu überzeugen für das Gesetz zu stimmen. Je mehr Menschen sich positiv zum Gesetzesentwurf äußern, desto eher wird deutlich, wie wichtig es ist, dass das diskriminierende TSG durch ein menschenwürdiges Gesetz ausgetauscht wird. Um den Abgeordneten zu schreiben, ist es egal, ob ihr selbst trans* oder inter* seid – dieses Gesetz würde all euren trans* und inter* Freund*innen, Familienmitgliedern und Nachbar*innen helfen!
Und ja, vermutlich ist es einfach wieder ein einfaches Wahlkampfthema. Und nein, das macht die Grünen und vor allem die FDP nicht wählbarer. Aber hier geht es in erster Linie darum die Lebensrealität von vor allem jungen trans* und inter* Menschen sehr zu erleichtern und ihnen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen!
Also sucht euch eure Abgeordneten raus und schreibt ihnen ein paar Zeilen. Falls ihr nicht wisst, was ihr schreiben sollt, gibt es auch eine Vorlage auf der Website von Lambda, die ihr kopieren könnt. Und teilt diesen Aufruf um möglichst viele Abgeordnete zu erreichen und nach 40 Jahren endlich das TSG abzuschaffen!

E-Mail Vorlage: lambda-online.de/wp-content/uploads/2020/06/Brief-an-Bundestagsabgeordnete-zu-SelbstBestG.pdf
Gesetzesentwurf von Bündnis90 die Grünen: gruene-bundestag.de/themen/lesben-schwule/selbstbestimmung-fuer-alle
Aufruf und Statement von Lambda: lambda-online.de/2020/06/11/tschuess-tsg-e-mail-aktion-des-referat-trans/
Liste der Abgeordneten aus jedem Wahlkreis: bundestag.de/abgeordnete/wahlkreise
Abgeordnete Köln
Matthias W. Birkwald (Die Linke) matthias-w.birkwald@bundestag.de
Dr. Rolf Mützenich (SPD) rolf.muetzenich@bundestag.de
Karsten Möring (CDU/CSU) karsten.moering@bundestag.de
Prof. Dr. Heribert Hirte (CDU/CSU) heribert.hirte@bundestag.de
Gisela Manderla (CDU/CSU) gisela.manderla@bundestag.de“

Erinnern und handeln gegen Rassismus – Yalla Migrantifa

9. Juni 2020, 19 Uhr, Gedenkkundgebung Keupstraße/Ecke Schanzenstraße, Köln

Am Jahrestag des Nagelbombenanschlages vom 9. Juni 2004 erinnern wir gemeinsam mit Betroffenen aus der Keupstraße und der Probsteigasse, wo 2001 ebenfalls eine Bombe des NSU explodierte, und Vertreter*innen der Initiative 19. Februar aus Hanau an die Opfer rassistischer Gewalt und die Kämpfe gegen Rassismus.

Am 9. Juni 2004 explodierte in der Keupstraße eine Nagelbombe und verletzt zahlreiche Menschen, einige davon schwer. Obwohl Vieles von Anfang an für Nazis als Urheber sprach, richtete sich der Verdacht der Ermittler ausschließlich gegen die Bewohner*innen und Beschäftigten der Straße. Die Opfer wurden zu Täter*innen und die über Köln hinaus bekannte Geschäftsstraße als „Parallelwelt krimineller Ausländer-Milieus“ bezeichnet, der Bezirksbürgermeister (SPD) sprach verächtlich von einem Ghetto. Nach der Selbstenttarnung des NSU, der von 2000 bis 2009 neun Migranten und eine Polizistin ermordete, versprach die Bundeskanzlerin eine „lückenlose Aufklärung“ der beispiellosen rassistischen Mordserie.

Trotz mehrerer Parlamentarischer Untersuchungskommissionen und 5 Jahren Hauptverhandlung am Oberlandesgericht München ist der NSU-Komplex bis heute nicht aufgeklärt. Im Gegenteil, den Verbindungen zur militanten Nazi-Szene und zum Verfassungsschutz wurde nicht nachgegangen und die zwei verurteilten Unterstützer des rechten Terrornetzwerks und engsten Vertrauten des NSU wurden direkt nach dem Urteil im Münchner Prozess aus der Haft entlassen. Während die Neonazi-Szene dieses als Erfolg feierte, kritisierten die Opfer, ihre Anwälte und Unterstützer*innen das milde Urteil und die Haftentlassungen als Ermutigung an die Nazis weiter zu machen.

Tatsächlich geht die rassistische Mord- und Anschlagserie weiter. Der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke am 2. Juni 2019 dokumentiert das Weiterwirken des NSU-Komplexes und die fortgesetzte Existenz des niemals vollständig aufgeklärten „Netzwerks von Kameraden“, wie die Selbstbezeichnung des NSU lautete. Ausgerechnet Kassel, wo der V-Mann-Führer Andreas Temme wirkte, der beim Mord des NSU an Halit Yozgat selbst am Tatort war. Vier Monate später, im Oktober 2019, versuchte ein schwer bewaffneter Nazi in der Synagoge von Halle ein Blutbad unter jüdischen Gläubigen anzurichten. Nachdem das nicht gelang, erschoss er vor dem Gebäude eine Passantin und einen Gast in einem Döner-Imbiss. Am 19. Februar 2020 schließlich richtete ein Rassist in Hanau ein Blutbad Blutbad an. Neun Menschen aus polnischen, türkischen, kurdischen, bosnischen und afghanischen Familien und die Mutter des Mörders sterben. Am April wurde ein 15-jähriger Jugendlicher, der jesidische Kurde Arkan Hussein in Celle ermordet. Was die Mörder eint, ist ihr zutiefst rassistisches, antisemitisches und anti-feministisches Weltbild.

Einen Tag nach dem Massaker von Hanau am 19. Februar folgten Tausende dem Aufruf der Angehörigen auf die Straßen zu gehen und der Opfer zu gedenken. In Köln haben sich hunderte spontan an der Keupstraße versammelt, aus Solidarität mit den Betroffenen des rechten Terrors, gegen die Neonazi-Mörder und gegen ihre geistigen Vorbereiter und Verbündeten.

Am Jahrestag des Anschlags in der Keupstraße gedenken wir der Opfer rassistischer Gewalt. Erinnern heißt verändern. Deshalb handeln wir gemeinsam gegen Rassismus. Migrantifa ist unsere Vision: Für die Gesellschaft der Vielen – Yalla, yalla, Migrantifa!

Für Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat und Michèle Kiesewetter, die vom NSU ermordet wurden. Für Fatih Saraçoğlu, Ferhat Ünvar, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Kalojan Welkow, Mercedes Kierpacz, Said Nesar El Hashemi, Sedat Gürbüz, Vili Viorel Păun.

Das Autonome Zentrum Köln braucht eure finanzielle Unterstützung!


Im Moment ist das AZ aufgrund der Corona-Pandemie auf unbestimmte Zeit geschlossen – es finden nur essenziell notwendige Angebote wie die Lebensmittelausgabe und die Bike-Kitchen statt. Es entstehen aber weiterhin Kosten für Strom und Wasser, die wir nicht wie sonst durch Vorträge, Filme, Konzerte oder Partys finanzieren können. Noch steht die im Herbst fällige Nebenkostenabrechnung samt Nachzahlungen für die Zeit vor dem Lockdown nicht direkt vor der Tür. Da aber nicht absehbar ist, wann wir wieder finanzielle Unterstützung im „Normalbetrieb“ erwarten können, brauchen wir jetzt schon eure Hilfe!


Spendet, wenn ihr könnt!

Verbreitet unseren Aufruf an Genoss*innen, Freund*innen und Unterstützer*innen!


Gemeinsam stabil gegen die Krise!

Die KEAs e.V. (Kölner Erwerbslose in Aktion) übernehmen netterweise die Spendenabwicklung für uns. 


Die KEAs e.V. IBAN: DE66 4306 0967 4031 8056 00 BIC: GENODEM1GLS

GLS Gemeinschaftsbank Verwendungszweck „Spende AZ Köln“ (wichtig!!!)

Danke für diesen 10. AZ Geburtstag

Wir wollen hiermit allen Beteiligten, Unterstützer*innen, DJ*s, Vortragenden, Aktiven hinter den Kulissen und Aktiven auf der Straße für diesen 10ten AZ Geburtstag danken! Ohne euch wärs nicht so gelaufen!

Wir haben uns sehr über all die nicen, solidarischen und kämpferischen Geburtstagsgrüße, gefreut. Danke dafür! Wir möchten uns aber auch  für eure Kritik bedanken, denn dieser (Digitale-) Geburtstag war für uns alle eine große Herausforderung, mit neuen Bedingungen und Ansprüchen mit denen wir uns auseinander zu setzten hatten – denen auch wir leider nicht immer gerecht geworden sind, aber daraus lernen möchten, um es beim nächsten Mal besser machen zu können.


Trotz der nur kurzen Vorbereitungszeit und der momentanen Situation ist es uns gelungen ein ziemlich schickes Programm auf die Beine zu stellen. Das Programm ins digitale zu wuchten ist uns gelungen, aber nicht nur das: Auch der virtuelle Infotisch und die AZ Geschichte, haben ihren Platz auf unserer Homepage und im Radio gefunden (die Sachen könnt ihr Euch übrigens nach wie vor anschauen und anhören).


Bei all den technischen Schwierigkeiten denen wir uns in der Vorbereitungszeit und während des Geburtstages stellen mussten, haben wir aber auch schon Erkenntnisse gewonnen die wir zukünftig mitnehmen wollen, zum Beispiel das nutzen von unabhängigen Plattformen – Keine Dankesgrüße an GEMA und Facebook fürs muten der Live-Sets!

Wir haben viel dazu lernen können und wir hoffen das wir andere Gruppen, Projekte und Einzelpersonen dazu ermutigen konnten Skills zu teilen, sich selbst anzueigenen und/oder auch online aktiver zu werden.


Auch wenn wir selbst gerade noch mitten in der Reflexion stecken, müssen wir leider sagen das wir transparenter hätten sein können/müssen bzgl. getroffener Hygiene Maßnahmen, Absprachen (Intern + mit DJ*s) und eigenen Ansprüchen in der Umsetzung. 

Den AZ-Geburtstag nicht ‘einfach zu feiern‘ wie sonst oder ihn aus mangelnder Kreativität ausfallen zu lassen kam für uns nicht in Frage und das finden wir auch nach wie vor eine gute Entscheidung.Trotzdem können wir sicher noch dazu lernen und hätten an ein paar Punkten genauer hinschauen müssen und in so manchen Momenten selbstkritischer Handeln sollen.


Am Ende hat auch der 10te AZ-Geburtstag gezeigt:

linksradikale Politik funktioniert auch während einer Pandemie – digital Und auf der Straße
10 Jahre sind nicht genug – es wird Zorn geben!


Danke allen!

Die Geburtstags-Feierei beginnt

Ihr findet ab jetzt die mega umfangreiche Ausstellung zur AZ Geschichte samt üppigen virtuellen Infotisch online. Auch der Infoladen ist jetzt online zugänglich, mit Katalog und „Rundgang“ durch Bibliothek und Archiv, sowie historischen Hintergründen.

Die Links zu den Workshop-Streams und anderen digitalen Vorträgen wie auch die Live-Sets findet ihr auf den Programm-Seiten zur angekündigten Zeit. Ein paar Workshops werden nicht aufgezeichnet und damit auch im Nachhinein nicht mehr verfügbar sein – also Pünktlich vor den Laptop setzen! Es lohnt sich!

Hier noch ein kurzes Interview mit FSK Hamburg zum AZ-Geburtstag.

Jetzt schon ein riesen Danke für all eure solidarischen Geburtstagsgrüße!

You will never squat alone – Kein Tag Ohne!