BINZ & AZ Köln – Two squats one struggle

Ausgesucht haben wir uns diesen Terror sicherlich nicht! Konsumierte, diktierte, gentrifizierte Städte, kein Raum für autonome Zonen, Bullenknüppel, die für die Politiker*innen sprechen.

Ende Mai soll die autonome Zone Binz weg gemacht werden, auf Vorrat abgerissen um zur verfügbaren Fläche der Städteplanung zu werden. Es soll verschwinden, was den Alltag des Kapitalismus stört, was eine andere Welt jenseits der Verwertungslogik erahnen lässt. Unser Zorn potenziert sich mit jedem Angriff auf die Strukturen unseres Widerstands gegen die Gesamtscheiße. Auch das AZ in Köln ist nun zum dritten Mal in seiner nur 3 jährigen Geschichte räumungsbedroht. Am 30. Juni läuft das Konstrukt eines Nutzungsvertrags mit dem die Stadt Köln das autonome Zentrum duldete endgültig aus. Nach Räumung und Abriss des Gebäudes soll ein „Grünstreifen“ (ein überdimensionales Hundeklo)  entstehen, der für die Stadtentwicklung der modernen kapitalistischen Stadt scheinbar sinnvoller und effektiver ist als ein selbstverwaltetes Zentrum, eine potenzielle Keimzelle des Widerstands. Der Kampf um die sogenannten Freiräume ist immer auch ein Ausdruck von Sehnsucht nach einer grundlegend anderen Welt.

Es ist ein besonderes Gefühl ist im AZ, der Binz oder in anderen squats zu sein. Es sind unsere Räume, in einer Welt in der wir sonst keine Orte haben. Die Angriffe auf die BINZ in Zürich und das AZ in Köln finden nicht im luftleeren Raum statt  sondern sind Ausdruck für die alltäglichen Bedrohungen, unter denen selbstverwaltete, libertäre und emanzipatorische Projekte nicht erst seit heute leiden. Diesem Angriff wollen wir nicht in reiner Abwehrposition entgegenstehen, sondern immer wieder Risse in der Idee der konsumierten und diktierten Stadt erzeugen. Bereits vorhandene Risse mit Leben füllen – Disteln im Beton!

Immer wieder haben wir in Köln in den letzten Tagen die Autonomieerklärung der Autonomen Zone BINZ voller Begeisterung und Demut gelesen, haben uns von eurem Mut mitreißen lassen und so den Zorn auf den drohenden Verlust unserer Projekte potenziert.

Wenn ihr schreibt:

„Die AUTONOME ZONE BINZ wird durch gemeinschaftliches Leben, leidenschaftliche Aktivität, banal komplizierte Auseinandersetzung, gezielte Desorganisation, kreatives Chaos und akuten Widerstand entfaltet…  Die Unabhängigkeitserklärung der BINZ ist ein unabdingbar notwendiger Akt radikaler Selbstbestimmung. Das Ziel ist nicht die Isolation, Marginalisierung oder Autarkie, sondern ein souveränes Terrain, das sich jeglichem Zuständigkeitsbereich entzieht.“

dann strahlen diese Worte weit über Zürich hinaus und geben auch uns Hoffnung.

 

In Zürich gab es riots nachdem die Cops einen bunten Straßenumzug für den Erhalt der BINZ angegriffen haben.  Barrikaden, Militanz, ein geplünderter Coop, eine entglaste Innenstadt: plötzlich entladene Wut auf die Zustände und Zurichtungen des kapitalistischen Systems, die an der Bedrohung eines geliebten Projekts kristallisieren.

Erst kürzlich wurde auf der warm up for resistance Demo in Köln folgendes gesagt:

„Der Aufstand wird greifbar, wir spüren diese kommende Wärme, als ob erstarrte Hände kribbelnd wieder zum Leben erwachen. Wir beschweren uns nicht mehr, dass in der uns aufgezwungenen Gesamtscheisse kein Raum für Strukturen gelassen wird, die den bestehenden Verhältnissen etwas entgegensetzen wollen. Wir erkennen, dass unsere Politik, Kunst und Kultur erkämpft werden muss, da sie den Interessen der herrschenden Klasse sowieso messerscharf entgegensteht… “ Auch nach dieser Demo gab es Scherben in der Stadt.

Nach den riots in Zürich wurde die BINZ Opfer der staatlichen Repression, es kam zu einer Hausdurchsuchung und das Projekt wurde somit kriminalisiert und weiter gegen die Wand gedrückt. In der Presse lasen wir, dass sich einzelne Personen aus eurem Projekt bestürzt  über die „Gewalt“ der riot-Nacht geäußert haben.

Wie wird das bei uns in Köln sein, wenn sich der Zorn entlädt und die Konfrontation sichtbar wird, wenn Symbole der Macht von Staat, Nation und Kapital angegriffen werden. Wie werden wir danach miteinander reden, wenn die Frage der „Gewalt“ zwischen uns und unser Verständnis davon tritt?

Gewalt und Repression machen den allermeisten Leuten Angst, das ist verständlich, denn es geht dabei um die eigene Unversehrtheit.

Im nächtlichen Hof des AZ sagte eine Person dazu:

„Es ist eine andere Gewalt von der gesprochen wurde. In den meisten Fällen geht die Gewalt von oben nach unten. Sie dient der Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Struktur. Es ist der Befehl, die Steuer, die Abmahnung, die Verordnung, es sind die Knüppel und  Pistolen der Cops  und am Ende der Knast, wenn du wirklich und entschieden „Nein“ sagst zu einer Anordnung. Es ist Gewalt mit Macht. Unsere Gewalt, kann nur eine ohne Macht sein, unsere Körper sind nicht geschützt, uns ist die Gewalt verboten, ihnen nicht, sie sind die Gewalt. Das ist etwas anderes.“

 

Wir haben das Gefühl, dass wir uns viel zu sagen haben, dass unsere Projekte ähnliche Wege gegangen sind und dass wir zur selben Zeit von ähnlichen  gesellschaftlichen Akteuren und Institutionen bedroht werden. Wir haben Lust darauf uns auf euch und eure Kämpfe zu beziehen denn es sind auch unsere. Gerne würden wir von euren Erfahrungen hören und eure Einschätzungen vernehmen.

 

Mit solidarischen Grüßen

Von einigen Stimmen aus dem AZ Köln

 

PS: gerade lesen wir, dass ihr aus der BINZ rausgegangen seid, aber nicht von der Bildfläche verschwunden seid. Wir wünschen viel Erfolg bei der Suche nach einem neuen Squat als Raum für die autonome Zone. Tatsächlich interessieren uns eure Beweggründe für diesen Schritt, wir haben nur vage Vermutungen…

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