Anti-Knast Tage

Wann:
28. Oktober 2011 um 20:00 – 20:00 Europe/Berlin Zeitzone
2011-10-28T20:00:00+02:00
2011-10-28T20:00:00+02:00

Hier erstmal das vorläufige Programm. Vorläufig deshalb, weil noch nicht alle Workshops feststehen und es auch möglich ist noch während der Antiknasttage spontan Workshops zu machen, wenn das Bedürfnis da ist.

ANTI-KNAST-TAGE in Köln

Vom 28.-30.Oktober 2011 im Autonomen Zentrum Köln, Wiersbergstr., Köln-Kalk
(U-Bahnhaltestelle Kalk-Kapelle, (Linie 1 oder 9)

Freitag 28.10, 18.Uhr

Gemeinsames Abendessen mit unseren Freunden aus anderen Städten und Pennplatzverteflung
19.30 Uhr

20.00 Naturfreundehaus Kalk Dokumentarfilm „arbeitsscheu-abnormal-asozial“ von der AG „Marginalisierte“ über Arbeitshäuser

Samstag 29.10.

9 Uhr Frühstück

10 Uhr Veranstaltung: „Todesstrafe für Sexualtäter?“ Die Nazis mobilisieren in der Öffentlichkeit. Wie gehen wir damit um?

danach verschiedene Workshops bisher vorgesehene Themen:

Sicherungsverwahrung

Hungerstreik von Werner Braeuner , Kommunikation mit Gefangenen, 129a-Verfahren in Dresden, Sucht und Knast

15 Uhr

Vo Kü

Ab 16 Uhr

Fortsetzung der Workshops

18.30
Fortsetzung VoKü

20 Uhr
„Politisch — Sozial? Wer sind eigentlich “unsere“ Gefangenen? Und wie kooperieren wir mit denen?“
Diskussionsveranstaltung im Plenum

Sonntag 30.10.

Ab 11 Uhr

Brunch

13.Uhr

Abschlußplenum

Im Anschluss wollen wir zur Entspannung noch gemeinsam einen Film gucken.

Wie gesagt, das Programm ist erst mal vorläufig, aber es gibt Euch einen Anhaltspunkt über den Ablauf des Wochenendes. Leute aus anderen Städten, die zu uns kommen wollen, würden wir bitten, uns möglichst vorher schon Bescheid zu geben, mit wie vielen ihr kommen wollt (wegen Pennplätzen und Essen).

Knast geht uns alle an … !!!

„Komm schon.Jeder hat seine Mauern, seine Bunker, seine Bastille, seinen Himalaya und seine Abgründe. Du denkst doch nicht etwa, daß du anders bist als die anderen, daß für dich alles schwieriger und schmerzhafter ist! Du weißt, daß das nicht stimmt. Du hast sogar Glück, weil du in deinem Inneren dieses Bewusstsein hast. Dir stehen noch so viele Kämpfe bevor! Du stehst erst am Anfang deines Wissens! Wenn du darunter leidest, heißt das, daß du auf dem richtigen Weg bist. Ein Weg, der keine Märtyer, aber den Willen zu Wissen und Kampf braucht. Wie leicht es doch wäre, so leicht, sich der Lethargie der Unterwerfung, des Verzichts, des Akzeptierenes einer bequemen Norm zu ergeben! Komm schon, steh auf, mach was! Der Sirenengesang ist hier das Heulen des Alarms, der von den Schließern ausgelöst wird, um eine Flucht zu melden, der Versuch eines Gefangenen, sich sein Recht zurückzuerobern“ (Charlie Bauer)

(Knasttage 2011 – Einladungstext der Kölner Gruppe „Autonomes Knastprojekt“ ):

Knast ist ein zentrales Mittel von Herrschaftssicherung. Dabei denken wir jetzt gar nicht mal in erster Linie an die Spezialverfahren gegen uns als radikale Linke.

Die wichtigste Funktion des Knasts ist die Erzeugung von Angst. Nicht nur die Gefangenen sind Opfer des Knasts. Unsere Angst vor dem Knast ist viel wichtiger für das System.

Obwohl wir für die kostenlose Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel sind, kaufen wir manchmal doch Fahrkarten. Wenn wir denn schwarzfahren, zahlen wir die 40 Euro. bevor es zum Verfahren kommt.
Oder wir lassen uns auf Sozialstunden ein. Alles in dem Bewusstsein, dass Mensch als Schwarzfahrer*in in den Knast kommen kann. Als Hartz 4-Empfängerin nehmen wir es hin, dass wir mit Almosen abgespeist und schikaniert werden. Manche gehen betteln, sind froh, wenn über Suppenküchen und Tafeln einige Krümel vom kapitalistischen Kuchen abfallen.

Wenn wir uns natürlich verhalten und uns am reichlich gedeckten Tisch bedienen, landen wir ja schließlich im Knast. Wenn wir gegen das System demonstrieren, holen wir uns häufig vorher eine Genehmigung des Systems. Absurdistan lässt grüßen.

Die Angst vor dem Knast bestimmt unser Leben mehr, als wir uns manchmal selbst eingestehen. Oberstes Ziel linker Politik ist deshalb zu verhindern, dass Mensch selbst oder seine Genoss*innen den Knast kommen.

Das Ziel einer Gesellschaft ohne Knäste wird zwar manchmal plakativ propagiert, aber ernsthaft glauben nur die Wenigsten innerhalb der Linken dran. Dies liegt einerseits daran, dass die Wenigsten von uns daran glauben, dass wir das herrschende kapitalistische System überwinden könnten. Andrerseits haben viele Linke selbst eine Liste von Leuten im Kopf, die sie gerne einsperren würden. Das sind schon einige Gründe, warum es für viele Genossinnen so schwierig ist, sich zur Antiknastarbeit zu verhalten.

Hinzu kommen Probleme, die wir auch aus anderen Bereichen kennen. Beispiel Erwerbslosenbewegung: Die Aufbruchstimmung aus den Anfängen der Zahltag-Bewegung ist längst Ernüchterung gewichen. Die große Mehrheit der Erwerbslosen ist alles andere als linksradikal. Sie versuchen individuell zwischen den Mühlsteinen der Bürokratie zu überleben. Unsere Strategie gemeinsamer Gegenwehr findet nur bei wenigen von ihnen Resonanz. Obdachlose und Junkies haben leider auch wenig mit uns zu tun. Auch die Millionen prekär Beschäftigter neigen selten zu revolutionären Aktionen. Das sind aber die Menschen, die überwiegend in die Fänge der Klassenjustiz geraten.

Da ist es logisch, dass die Mehrheit der Gefangenen sich ähnlich verhält, wie sie sich draußen als Erwerbslose, Obdachlose oder Junkies verhalten haben.

Trotzdem – unter der extremen Drucksituation des Knasts entdeckt der Eine oder die Andere ihr rebellisches Potential. Das sind unsere Bündnispartner*innen. Außerdem – es gibt einfach Dinge, die wir als radikale Linke grundsätzlich ablehnen.

Wir sind grundsätzlich gegen Krieg, auch wenn die Kriegsgegner die letzten Arschlöcher sind. Es gibt keinen gerechten Krieg. Das sehen wir anders als die Mehrheit der Grünen.

Wir sind gegen Hart 4 und Billiglöhne, auch wenn uns viele Erwerbslose und Hungerlöhner nicht grade sympathisch sind. Wir sind auch gegen Kapitalismus, selbst wenn uns die Mehrheit der Ausgebeuteten den Vogel zeigt.

Wie schwer sich große Teile der Linken damit tun, sich in gesellschaftlichen Diskussionen zum Thema Knast überhaupt zu verhalten, zeigt folgendes Beispiel:
Seit einiger Zeit versuchen die Nazis gesellschaftliche Ängste vor Sexualstraftätern, vor allem so genannten Kinderschändern für sich zu nutzen. in einem Klima von “Wegsperren für immer“ scheint ihre Forderung nach Todesstrafe gar nicht mehr so weit entfernt von dem, was ein reaktionärer Teil der Bevölkerung sich wünscht.

Auf Dauer wird es nicht reichen, dem nur ein “Nazis raus“ entgegenzusetzen und dem allenfalls hinzufügen, dass Mensch natürlich gegen die Todesstrafe sei. Diese Strategie wird allenfalls gegen ein kleines Häufchen organisierter Faschos erfolgreich sein.

Es wird uns aber nicht gegen den reaktionären Stimmungssumpf helfen, in dem die Nazis fischen wollen. Da müssten wir uns schon die Mühe machen, uns selbst inhaltlich mit dem Problem des sexuellen Missbrauchs zu beschäftigen und zu versuchen, über “Lösungen“ nachzudenken, die sich vom “Wegsperren für immer“ unterscheiden.

Neben Workshops zu solch grundsätzlichen Fragen wird es bei den Antiknasttagen aber auch um ganz praktische Dinge gehen, z.B. darum, welche rebellischen Gefangenen uns besonders nahe stehen und wie wir die unterstützen können, oder wie wir die Öffentlichkeitsarbeit gegen das Knastsystem verbessern können.

 

Wir freuen uns schon auf Euch.

***

(Wie sie denn heute schon erreicht werden kann, diese „Gesellschaft ohne Knäste“, hier gibt es z.B. interessante Gedanken dazu
http://www.projektwerkstatt.de/hefte/download/autokoop_strafe.pdf“>